Wahlprogramme Onlinecheck: SPD
Die SPD schaltet kurz entschlossen Google Anzeigen, damit Ihr Wahlprogramm ganz oben steht. Zumindest Pleite kann die SPD nicht sein. Aber fast logischerweise übersehe ich das hellblaue Feld erst einmal - Werbung kommt wohl schon gewohnheitsmäßig erst beim zweiten Blick (”na, wirklich nicht auf Seite 1?”) in nähere Betrachtung. An der regulären Position 1 steht das Wahlprogramm der wackeren SPD Niedersachsen, an 2 erscheint nach Klick auf www.spd-ktf-tuebingen.de ein Verkaufsangebot über 999 US-$. Für das Wahlprogramm? Nein, für die Domain natürlich. Zwischennote Auffindbarkeit: 2,5.
Dann die positive Überraschung. Nach dem Klick auf dieWerbeanzeige folgt eine argumentative, gut in Hauptthemen (”Arbeitsmarktreform”, “Bürgerversicherung”, …) gegliederte Website - das “Kampagnenportal” läuft übrigens genauso auf www.spd.de. Ganz oben ein Testimonial eines Unterstützers, noch weiter oben (habe ich zuerst gar nicht erkannt) Luxusyachten mit dem Slogan “Hier freut man sich auf Merkels Kopfpauschale”. Da die Polemik nicht allein steht, sondern von den umfangreichen Inhalten begleitet wird, ist sie gut verdaulich. Das ist doch recht professionell gestylt und aufgebaut, weit weniger trocken als die PDF’s der CDU. Eine Abwertung wegen des als Kontrast eingesetzten #B2A384 (Toscana-Ocker, Brandenburger-Sand-schmutzig, jedenfalls “SPD-Umbra” …?) erspare ich den Genossen. Zwischennote Benutzerfreundlichkeit und Lesbarkeit: sehr gut.
Und wie sieht es mit Interaktion aus? Auch nicht schlecht. Ich könnte als geneigter Surfer online spenden, Mitglied werden, oder erst einml einen RSS-Feed (!) des Parteivorstands abonnieren. Kritik loswerden könnte ich sogar direkt an “Münte” und andere Personen und AG’s (was es da alles gibt …) dank des (versteckt angebrachten) Formulars. Zuviele Rückmeldungen sollen es dann wohl doch lieber nicht sein. Im Ansatz nicht schlecht. Die “AG Internet” der SPD wirkt frischer als die komplette Ministerriege, sie hat ihre Hausaufgaben gemacht. Zwischennote mediengerechte Umsetzung: 2.
Fazit: Man könnte reinlesen, wenn man die Zeit aufwenden wollte und sich noch unsicher ist. Bleibt nur zu hoffen, dass das Umbra nach der Wahl nicht wieder der vorherrschende Ton in Land und Stimmung wird (siehe http://partei.spd.de). Endnote: eine gute 2.